Waldsachsen und der Bayerhof

Bauerndorf und Adelsgut

 

Im Jahr 1103 wurde das Dorf erstmals in einer Urkunde erwähnt, in der der Bischof von Würzburg Güter in Waltsahsun seinem Domkapitel vermachte. Ausgangspunkt der Besiedelung dürfte der spätere Frei- und Fronhof des Kapitels (Domhof) im Unterdorf  gewesen sein. Schon bei der Gründung der Siedlung im 10. oder  11. Jh. waren von diesem Zentrum aus Breitstreifen in den Wald auf der Hochebene von Main und Steinach hineingerodet worden. Sie durchzogen die Gemarkung wie Dielenbretter und ihr einheitliches Maß war äußerst praktisch bei der Feldvergabe an die Bauern und der Berechnung der Abgaben durch die Grundherrschaft. Ein Teil der Feldstreifen wurden vom Grundbach und der im Wesentlichen aus einer doppelten Häuserzeile bestehenden Siedlung in zwei Hälften geteilt. Von den alten Höfen existieren auch heute noch einige stattliche Bauernhäuser aus Muschelkalk und Sandstein, die nach der Fachwerk-Epoche um 1900 entstanden waren. Während der Flurbereinigung (1955-1960) wurde die außergewöhnliche Breitstreifenanlage der Felder aufgelöst und der mit Obstbäumen bestandene Dorfrand in Siedlungsgebiete umgewandelt. Damit konnte der Trend zur Abwanderung der Bauernkinder und der mehr als 140 Vertriebenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg hier einquartiert worden waren, gestoppt werden.


 

Im Hochmittelalter konkurrierte das Domkapitel als größter Grundherr und Zehntempfänger mit den Grafen von Henneberg um die Landesherrschaft im Ort. An diese und weitere Herrschaftsträger hatten die Bauern vor allem Weizen und Hafer aber auch Wein, Hühner und Geld abzugeben. 1542 verkauften die Henneberger ihr Amt Mainberg und damit Waldsachsen an das Hochstift Würzburg. Mit der Auflösung der geistlichen Staaten 1802/1803 und der Neuordnung der Gemeindegrenzen in Bayern wurde der etwa 3 km südlich gelegene Bayerhof, ein ehemals hochstiftisches Lehen, Waldsachsen als Ortsteil zugeordnet. Ab 1862 bauten die Freiherren von Dungern den kleinen Weiler zu einem landwirtschaftlichen Mustergut um. 1912 verkauften sie das Gut samt Schloss an die Grafen zu Ortenburg, die bis heute hier leben und in den 1950er Jahren mit den Höfen zweier Vertriebenen-Familien aus dem Sudetenland neue Nachbarn bekamen.

 

Die „Wolzumer“ Bauern organisierten ihr Gemeinwesen vom Fachwerk-Rathaus in der Ortsmitte aus. Es war um 1680 im Zuge der Wiederbesiedelung des Dorfs nach dem Dreißigjährigen Krieg errichtet worden und beherbergte nicht nur die Dorf- und Flurordnung von 1711 sondern bis in die 1960er Jahre auch die Schmiede. Nach der 2013 abgeschlossen Dorferneuerung ist es heute ein beliebtes Fotomotiv. Seit der Gemeindegebietsreform 1978 bleibt der Ratssaal jedoch die meiste Zeit des Jahres leer. Er teilt damit das Schicksal vieler landwirtschaftlicher Gebäude, denn seit den 1960er Jahren fanden immer mehr Bauern ihr Auskommen in den Schweinfurter Industrie- und Dienstleistungsunternehmen.

 

Das Oberdorf wird von der katholischen St. Laurentius-Kirche als geistlichem Zentrum gekrönt. 1732 statteten die Einwohner den aus dem 13. Jahrhundert stammenden und um 1600 erhöhten Turm mit der markanten Zwiebelhaube aus, die sich fast 400 Jahre später als Wahrzeichen inmitten der zahlreichen Windräder tapfer behauptet. Direkt daneben errichteten sie den Chor und das Langhaus neu. Unter der fast geschlossen erhaltenen Barock- und Rokokoausstattung dieses Gotteshauses ragt der Hochaltar von Thomas Wagner (1739) heraus. Im Mittelalter war die Kirche eine Filiale von Marktsteinach. Während der Reformation wurde sie gemeinsam mit dem Nachbarort Greßhausen protestantische Pfarrei und nach der erfolgreich durchgeführten Gegenreformation ab 1587 eine Filiale von Forst. Erst 1848 wurde Waldsachsen dank einer wohltätigen Stiftung zu einer eigenen Pfarrei im Bistum Würzburg erhoben. Sie gehört heute zur Pfarreiengemeinschaft „Maria Königin vom Kolben“.                                                        

(D. Harbeck-Barthel)

 


Publikationen (Auswahl)


-     Albrecht Barthel / Daniela Harbeck-Barthel, Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt. Kirchenführer St. Laurentius, 2003.

-     Daniela Harbeck-Barthel, Waldsachsen in Unterfranken, 2 Bände, hrsg. v. d. Gemeinde Schonungen, Schonungen 2013.

Bd.1: Dorf und Hof, Feld und Wald – Wolzumer Geschichte und Geschichten

Bd. 2: Kirche und Pfarrei, Wolzumer Menschenbilder und das Gut Bayerhof

-     Artur Höhl, Steinerne Namen zum Reden gebracht – Erinnerung an die Toten des 2. Weltkrieges 1939-1945 aus Waldsachsen, Schonungen 2005.

 

Zum Bayerhof auch:

-     Konrad Albert, Greßhausen. Ein fränkisches Dorf und seine Geschichte, Gädheim 1996

-     Konstantin Kuhn, Das Rittergut Bayerhof, in: Archiv für Stadt und Bezirksamt Schweinfurt 10 (1912), S. 157-159

-     Alexander Tittmann, Haßfurt. Der ehemalige Landkreis, München 2002/2003 (Historischer Atlas von Bayern, Franken, Reihe 1, Heft 33)

-     Sebastian Zeißner, Der Schlettach oberhalb Schweinfurt. Eine geschichtliche Darstellung, Würzburg 1928

 

Vgl. auch „Publikationen“ von  Schonungen

 

Links (Auswahl)


www.waldsachsen.de

http://www.schonungen.de/Gemeindeteil_Waldsachsen.html

http://www.schonungen.de/Rathaus_Gemeindeteile_Bayerhof.html

http://www.kita-waldsachsen.de/bwo/dcms/sites/bistum/extern/kita_waldsachsen/index.html

http://www.musikfreunde-waldsachsen.de

http://www.siedlerbund.de/waldsachsen

www.pg-marktsteinach.de/bwo/dcms/sites/bistum/pfarreien/homepages/

pg_pv/pg_maria_koenigin_vom_kolben/index.html