Reichmannshausen


Fachwerk, Wald und Naherholung auf dem Schlettach

16 km nordöstlich von Schweinfurt auf der Hochfläche, die sich vom Main weg hin zu den Haßbergen erstreckt, liegt unser Dorf inmitten von Wiesen und Feldern, nahezu vollständig von Wald umgeben.
Die Ersterwähnung von „Richalmeshusen“ finden wir in einer Urkunde vom 1. Mai 1293, in welcher der Würzburger Bischof Manegold v. Neuenburg dem Kloster Mariaburghausen den Besitz von Gütern unter anderem in Reichmannshausen beglaubigt.


Es ist zu vermuten, daß Reichmannshausen vom Siedlungsmittelpunkt und karolingischem Königsgut Wettringen aus als eine Rodungsinsel in damals wohl noch sehr umfangreicheren Wald entstanden ist. Wettringen war Sitz eines Zentgerichts und einer Urpfarrei, zu denen auch Reichmannshausen gehörte. Es liegt auch nach wie vor im Dunkeln, ob der Name Richalm (Richalmeshusen = bei den Häusern des Richalm) ein Hinweis auf den Erstsiedler ist oder einen begüterten Ministerialen, der für den Landesausbau zuständig war, hindeutet.



Landesherren waren von 1305 – 1542 die Grafen von Henneberg (Amt Mainberg). 1542 erwarb das Hochstift Würzburg das Amt Mainberg und so kam Reichmannshausen unter die Obrigkeit der Fürstbischöfe von Würzburg, bis das Dorf in der Säkularisation 1803 an das kurfürstliche Bayern kam.


Von 1806 – 1814 lag die Regentschaft beim Großherzog von Toskana. Ab 1814 bis 1918 waren wir königlich – bayerische Untertanen. Seit 1918 ist Reichmannshausen Bestandteil des Freistaates Bayern. Bedeutsam war 1978 der Verlust der politischen Selbständigkeit und die Eingemeindung in die Großgemeinde Schonungen.


Die Bevölkerung lebte bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts von der Bewirtschaftung der Felder und Wiesen auf 510 ha Fläche. Die Waldarbeit im ca. 1200 ha großen Staatsforst war ein willkommener und notwendiger Nebenerwerb. Zwischen den beiden Weltkriegen versuchte man, Tourismus und Naherholung in Reichmannshausen zu etablieren („Luftkurort“). Gäste wurden mit der Pferdekutsche in Schonungen abgeholt oder sie kamen mit dem Postbus. Erst ab 1930 suchten die Männer nach Arbeitsplätzen in der Schweinfurter Industrie.


Überörtlich waren eine Mühle und zwei Sägewerke von Bedeutung. Zwei Lebensmittelgeschäfte, eine Bäckerei, eine Metzgerei, eine Dorfschmiede und eine Gaststätte waren vorhanden, sind heute allerdings größtenteils geschlossen.
Gesellschaftliche Gruppierungen und Vereine in Vergangenheit und Gegenwart:


1873 Freiwillige Feuerwehr
1890 Kath. Leseverein Bavaria
1896 Musikkapelle
1906 Obst- und Gartenbauverein
1909 Kath. Burschen- und Leseverein Bavaria (aufgelöst)
1909 Krieger- und Veteranenverein (aufgelöst)
         Johanneszweigverein/ Verein St. Georg
         Zimmerstutzenverein (aufgelöst)
1919 Radfahrer – Verein Waldlust (aufgelöst.)
1930 Deutsche Jugendkraft (DJK), 1934 aufgelöst, Wiedergründung 1966 SV / DJK
1931 Gesangverein (aufgelöst)
1958 Schützenverein Reichmannshause
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Im Mittelalter gehörte Reichmannshausen zur Urpfarrei Wettringen. Bedingt durch Zerstörungen im 30-jährigen Krieg wurde Reichmannshausen 1627 nach Aidhausen eingepfarrt und schließlich 1735 der Pfarrei Ebertshausen zugeteilt. Aus dem gleichen Jahr stammt auch die Stiftungsurkunde für die „Caplaney Reichmannshausen“.
Wann die erste Kirche errichtet wurde, ist unbekannt. Der Turm wurde vor 1612 neu errichtet („Echterturm“), das Langhaus 1690 erhöht. Die Innenausstattung stammt aus der Abteikirche des säkularisierten Benediktinerklosters Theres und wurde 1807 erworben.


Am Kirchplatz erinnert ein Gedenkstein an den 1974 selig gesprochenen Pfarrer Liborius Wagner aus Altenmünster. Er wurde 1631 im Keller des Schulhauses neben der Kirche von schwedischen Soldaten gefangen genommen und in Schonungen um seines katholischen Glaubens willen grausam zu Tode gefoltert.


1982 wurde an der Hesselbacher Straße die Johanneskapelle errichtet. Für ihre Ausstattung wurden Kopien von Werken Tilmann Riemenschneiders gefertigt. 


(Winfried Braun)


 

 

Publikationen  (Auswahl)


-     Winfried Braun, Reichmannshausen wie’s ämol woar und wie’s heut’  is`, hrsg. v. d.

      Gemeinde Schonungen, Reichmannshausen 1990

-     Robert Hofmann, Reichmannshausen und ich. Jugenderinnerungen, Schonungen 1990

-     Konstantin Kuhn, Beiträge zur Beschreibung und Geschichte des Dorfes    Reichmannshausen, Schweinfurt 1905

-     Rudolf Metz / Ingrid Räder, Reichmannshausen. Geschichte und Geschehen im     liebenswerten Schlettachdorf, hrsg. v. d. Gemeinde Schonungen, Schonungen 1999

 

Vgl. auch „Publikationen“ von  Schonungen

 

 

Links (Auswahl)


www.pg-schweinfurter-rhoen.de

http://www.kindergarten-reichmannshausen.de

http://www.schonungen.de/Gemeindeteil_Reichmannshausen.html