Marktsteinach

Sitz des Zentgerichts und vieler Mühlen an der Steinach

 

Die Ersterwähnung von Steinaha im Grabfeldgau zum Jahr 838 in den Besitzverzeichnissen der Reichsabtei Fulda lässt annehmen, dass der Ort wesentlich älter ist, zumal höher gelegene und siedlungsungünstigere Orte der Umgebung wie Abersfeld bereits früher nachweisbar sind. Vermutlich gelangte „Steinaha” als Schenkung einer der regionalen Führungsfamilien, die an der Kolonisation des ostfränkischen Raumes in der Merowingerzeit wichtigen Anteil hatten, an Fulda.


Die verkehrsgünstige Lage des Ortes am Zusammentreffen mehrerer Täler nur wenig entfernt vom Maintal lässt Steinach als frühe Rodungssiedlung in Tallage erscheinen, deren wirtschaftliche Bedeutung wegen des engen Talraums aber hinter ihrer strategischen Bedeutung zurückstand.

Im Zuge von Arrondierungsmaßnahmen des Klosters gelangte der Ort noch im 9. Jahrhundert vermutlich an eine mit den Mattonen, einer begüterten, dem großfränkischen Reichsadel zugehörigen Grundbesitzersippe verwandte Familie; die folgende herrschaftliche Zugehörigkeit Steinachs bleibt im Dunkel.


Erst wieder mit dem Versuch der Henneberger, ihr Territorium bis an den Main auszudehnen, fand Steinach 1239 nunmehr als Lehen der Würzburger Bischöfe Erwähnung, wobei auch die hennebergische Nebenlinie der Botenlauben im Besitz herrschaftlicher Rechte auftrat. In der Folge sind zeitweise die Markgrafen von Brandenburg (1291-1312) und die Grafen von Württemberg als Teilerben der Henneberger als Inhaber von Rechten feststellbar. Auch fränkische Adelsfamilien wie die Greußing, Flieger, Hohenberg, Bibra, Wenkheim, Truchseß, Fuchs und Eberstein nahmen im 15. Jahrhundert Rechte – vermutlich als Würzburger Lehen – wahr. In der Folge verblieb der Ort unter Würzburger Herrschaft, bevor er in der Säkularisation 1803 an Bayern kam und – mit Unterbrechung 1810-1814 – dem Landgericht/Bezirksamt bzw. Landkreis Schweinfurt angehörte; 1978 erfolgte die Eingemeindung nach Schonungen



Erst seit dem 14. Jahrhundert ist der Ortsname mit dem Präfix „Markt” versehen; dies bedeutet jedoch nicht das Bestehen eines Marktrechts, sondern ist vermutlich aus dem Rechtsbegriff der „Mark“ entstand. Einer solchen Deutung entspricht auch das Bestehen eines Zentgerichts, das einen wesentlichen Teil der „Herrschaft” im späten Mittelalter darstellte und Marktsteinach als einen zentralen Ort auswies. Auch eine schon 1239 erwähnte, im Bauernkrieg 1526 zerstörte Burg weist den Ort als regionalen Zentralpunkt aus.

 

Wirtschaftliche Bedeutung hatten anfangs besonders die durch die Steinach angetriebenen Mühlen. Zu ihnen gehörten die Betzen- und die Schulzenmühle, die Ölmühle und die Rothmühle sowie die Alte Dorfmühle im Ort selbst. Erst in der Neuzeit entstanden verschiedene Familienbetriebe (Metallverarbeitung, Baugeschäfte, Likörherstellung) neben mehreren Gaststätten, Metzgereien, einer Bäckerei und einigen Lebensmittelgeschäften, die allerdings größtenteils heute geschlossen sind.

 

Auch kirchlich stellt Marktsteinach seit seiner Ersterwähnung den Mittelpunkt einer umfang-reichen Pfarrei dar, auch wenn eine Kirche erst im späten Mittelalter nachweisbar ist. In der Reformationszeit wirkten zeitweise lutherische Prediger, unter dem Würzburger Bischof Julius Echter von Mespelbrunn (1573-1617) erfolgte dann die Rückkehr zum katholischen Glauben. Während der schwedischen Besetzung Frankens im Dreißigjährigen Krieg verblieb Marktsteinach trotz Zwangsmaßnahmen beim katholischen Glauben. Die alte katholischen Pfarrkirche, die dem Heiligen Bartholomäus geweiht ist und 1614 im Julius-Echter-Stil nahezu neu errichtet wurde, erhielt um 1740 ihre bis heute existierende Rokokoausstattung mit zwei Altarblättern des „Mürschter Meisters“ Johann Peter Herrlein. 1969 wurde in direkter Nachbarschaft und in Form eines Zelts die neue Bartholomäuskirche errichtet. Die Kapelle auf dem südöstlich von Marktsteinach gelegenen Hochebene namens Kolben (Kolm), die 1880 gestiftet wurde, wird von allen Mitgliedern der 2008 gegründeten Pfarreiengemeinschaft „Maria Königin vom Kolben“ regelmäßig besucht.

 

Nach 1900 kompensierte die Schweinfurter Kugellagerindustrie den geringen Grad an landwirtschaftlicher Nutzung in Marktsteinach , schuf jedoch auch – verstärkt durch die Niederlassung von Heimatvertriebenen nach 1945 – neben dem katholischen, auch ein sozialdemokratisches Milieu, die sich in unterschiedlichen Vereinen organisierten.                                                                                                                                       


 (Dr. Robert Zink)



Publikationen (Auswahl)


-      Hermann Hoffmann, Das älteste Lehenbuch des Hochstifts Würzburg 1303–1345. Würzburg 1972 (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg, 25)

-      Erich Hofrichter, Chronik der Pfarrei und des Dorfes Marktsteinach. In: Marktsteinach und seine Kirchen. Marktsteinach 1969, S. 28–38

-      Konstantin Kuhn, Schloß und Cent Marktsteinach im Besitze der Henneberger. In: Archiv für Stadt und Bezirksamt Schweinfurt. Beilage zum Schweinfurter Tagblatt 4 (1906) (Nachdruck: Amtsblatt der Gemeinde Schonungen, 1978)

-      Konstantin Kuhn, Das Schloß Marktsteinach im Besitze der Herren von Eberstein. In: Archiv für Stadt und Bezirksamt Schweinfurt. Beilage zum Schweinfurter Tagblatt 9 (1911)

-      H. Lippert, Die Schloßruine Marktsteinach. In: Bayernland 7 (1896), S. 428-430

-      G.L,: Beitrag zur Geschichte Marktsteinachs und seiner Burg. In: Archiv für Stadt und Bezirksamt Schweinfurt. Beilage zum Schweinfurter Tagblatt 2 (1904);

-      Marktsteinach und seine Kirchen, Marktsteinach 1969.

-      Alexander Schäfer, Die Geschichte der Pfarrei Marktsteinach. Unveröffent. Zulassungsarbeit.

        Würzburg 2012

-      Sebastian Zeißner, Der Schlettach oberhalb Schweinfurt. Eine geschichtliche Darstellung.

       Würzburg 1928

-      Rosi Glöckner / Emmy Zink, Marktsteinach. 1150 Jahre 838–1988. Beiträge zur Ortsgeschichte,

        hrsg. von der Gemeinde Schonungen. Marktsteinach 1988;

-      Robert Zink, 1150 Jahre Marktsteinach 838–1988. In: Amtliches Mitteilungsblatt der Gemeinde  Schonungen 1988

 

Vgl. auch „Publikationen“ von  Schonungen

 

 

Links (Auswahl)


www.pg-marktsteinach.de/bwo/dcms/sites/bistum/pfarreien/homepages/

pg_pv/pg_maria_koenigin_vom_kolben/index.html

http://www.djk-marktsteinach.de

http://www.schonungen.de/Gemeindeteil_Mainberg.html