"Auf Achse!" - Temporeiche Ausstellung des Heimatkundlichen Arbeitskreises Schonungen

 

Jeden Tag sind wir unterwegs: Wir laufen zum Bäcker und fahren mit dem Zug zur Arbeit. Wir machen einen Ausflug mit dem Schiff und fliegen in den Urlaub. Nie waren die Verkehrswege so ausgebaut, die Zweiräder so High-Tech und die Autos, Eisenbahnen und Flugzeuge so schnell, wie heute.

                  Aber: Wir Menschen sind mobil, seit wir denken können! Schon unsere Ururgroßeltern blieben nicht nur in ihren Stuben, Ställen und Werkstätten sitzen. Unter ihnen waren fahrende Händler und Handwerker auf dem Weg zum nächsten Auftrag. Sie waren Bauern, die ihre Tiere auf den Märkten in Schweinfurt und Bamberg verkauften. Manch einer heiratete schon damals über die Landesgrenzen hinweg und unsere Kirchenstiftungen ließen ihre Gotteshäuser mit Schiefer aus dem Frankenwald decken. Der wurde mit Flößen auf dem Main geliefert. Auf ihrer Weiterreise zum Rhein und zur Nordsee nahmen sie gewaltige Mengen Holz aus den Oberlanddörfern mit. Die Schonunger Baumeister bezogen Zement aus Belgien und ließen dafür eigens den 1852 errichteten Bahnhof erweitern. Von der Mainberger Tapetenfabrik wurden die bunten Wandbehänge aus Papier in alle deutschen Staaten geliefert. Mitte des 19. Jahrhunderts verließen Einwohner der Gemeinden von Löffelsterz bis Reichmannshausen und von Marktsteinbach bis Mainberg ihre Heimat, um in Amerika ihr Glück zu machen. 100 Jahre später ließen die Besitzer der Schonunger Grobes-Mühle dann Weizen aus den USA importieren, um ihre Maschinen auszulasten.

                  Die Vielfalt der Beweglichkeit unserer Vorfahren überrascht Sie vielleicht, aber wir wollen uns nicht nur auf einzelne Beispiele beschränken. Wir wollen zeigen, wie sehr sich mit dem Bau der Straßen und der Zunahme des Verkehrs in den letzten knapp 150 Jahren auch unsere Ortschaften verändert haben: Früher gab es kaum mehr als die Hauptstraße, auf der sich Fußgänger und die landwirtschaftlichen Gespanne tummelten. Unfälle waren selten und Staus Fehlanzeige. Erst als zur Wasserstraße Main auch die Eisenbahn dazu kam, änderte sich die Reisegeschwindigkeit der Forster und Hausener, die nach Würzburg und Nürnberg fahren wollten, quasi über Nacht. Der alte Amtsbote hatte längst ausgedient, als Telegrafie und Telefon auch den Transport von Nachrichten revolutionierten. Nach der Jahrhundertwende wurden Fahrräder zum Allgemeingut. Als immer mehr Motorräder, Autos und Busse die Menschen bewegten und Schlepper und LKWs die Maschinen und Waren zogen und transportierten, nahm das Leben weiter an Fahrt auf: Garagen, Tankstellen, Parkplätze mussten her und die Main-Chaussee wurde zur B 26 ausgebaut. Verkehrserziehung war das Gebot der Stunde und Führerscheine wurden Pflicht.

 

In seiner dritten Schau präsentiert der H.A.S. wieder einmal einen spannenden Aspekt der Geschichte unserer Dörfer. Der Focus liegt diesmal auf allen Formen der Mobilität, weil die Verkehrswege in Schonungen direkt vor der Haustüre liegen und wir uns doch alle irgendwie gern an unser erstes Auto erinnern. Wir zeigen spektakuläre Bilder vom schweren Zugunglück 1899 und von Flugversuchen auf dem Schonunger Kreuzberg 1926. Wir stellen Motorräder und die Schutzkleidung tollkühner Fahrer aus und ein Modell der Fähre, die sogar Autos zum Reichelshof übersetzte. Ein umfangreiches Begleitprogramm wird die Ausstellung bereichern.

Ab Herbst sind wir auf Achse! Schnallen Sie sich an und fahren Sie mit!

 

 

Ort:              Alte Kirche Schonungen

Vernissage:  22. September 2017 – 19.30 Uhr

Termine:      23./24. September und  30.9./1.10/3.10/7./8./14./15. Okt.

Uhrzeit:        Sa.-So. 10.00 - 18.00 Uhr