Abersfeld und Rednershof

Abersfeld

Im Herzen des SCHLETTACH, jenem weitläufigen, den Haßbergen vorgelagerten waldreichen Landstrich zwischen Bad Kissingen und Haßfurt, liegt das 600-Seelen Dörfchen  ABERSFELD. Ursprünglich nur von Marktsteinach aufwärts durch den ruhigen Mühlbachgrund erreichbar, schmiegt sich der Ort an einen leicht geneigten Südhang  -  gerade dort, wo dieser Wiesengrund nach etwa drei Kilometern in eine wälderumzogene, wellige Keuperhochfläche übergeht. Die Gemarkung, die Höhenunterschiede von 290 bis 367 Meter NN aufweist, bildet mit ihrem östlichen Ende gleichzeitig die Grenze zwischen den Landkreisen Schweinfurt und Haßberge.

 

Die urkundliche Ersterwähnung datiert im Jahr 788 im sog. „Codex Eberhardi“, einer fuldischen Urkunde. Die Namensformen „Abersfelt“, „Averesfelt“ „Obersfeylt“ deuten auf eine Bezeichnung „Oberes Feld“  zum  tiefer gelegenen zentralen Centort (Markt)Steinach. Auch siedlungsgeschichtlich ergeben sich deutliche Anzeichen karolingischer Organisation  bei der Besiedlung des Schlettach-Waldgebietes ab dem 8. Jahrhundert, z.B. aus den zahlreichen „Forestis“-Ortsnamen, wenngleich umliegende Dörfer erst in späteren schriftlichen Zeugnissen erstmals erwähnt werden. So konnten die Abersfelder im Jahr 1988 stolz ihr 1200-jähriges Ortsjubiläum ausgiebig feiern.

 

Der Ort ist als langgestrecktes Straßendorf entstanden, mit einem zentralen Siedlungskern, der neben dem Freihof auch die Kirche (ursprünglich teilw. mit Gadenumgriff) und die Gemeinschaftseinrichtungen alte Schule mit Ratssaal, neue Schule (erb. 1893, jetzt Kindergarten), früher auch die Dorfschmiede, Wachhaus und Feuerwehrremise, Malzdörrhaus und Armenhaus umfaßt.




Die Kirche (Filiale der Pfarrei Marktsteinach) erhielt 1613/14  (damals: „ein älteres Gebäude“)  einen neuen Echter-Spitzturm, 1688 wurde das Langhaus neu erbaut. Im Zuge der umfassenden Erweiterung und Modernisierung des Kirchengebäudes (1969-71) veränderte sich auch der gesamte Kirchenumgriff, die alte Schule, Umfassungsmauern und –gebäude des früheren Kirchhofes wurden abgerissen, Denkmäler aufgelassen oder versetzt.

Die Siedlungsentwicklung läßt sich katastermäßig und insbesondere aufgrund einer Besonderheit, nämlich dem Vorhandensein uralter Hof-Namen in den Urkatastern, nur so deuten, das der Ort ursprünglich ein Haufendorf war (die Höfe /Huben befanden sich im Zentrum), und erst nach und nach durch das Hinzukommen von „Seldengütern“ das Straßendorf entstand. Der Herrensitz bzw. Frei- oder Fronhof,  später auch genannt der „Ebracher Hof“ (gültpflichtig dem Kloster Ebrach) bildete dabei im Ortsmittelpunkt zusammen mit einer Sölde eine bauliche Insel südlich des Gotteshauses.

 

Die spätmittelalterliche Geschichte von Abersfeld weist unter den Dörfern des Schlettach eine Besonderheit auf, die dazu geführt hat, dass der Name und die Vergangenheit unseres Dorfes in zahlreichen Urkunden immer wieder auflebt. Hier war der Ursprung und Hauptsitz eines zum Adel gehörigen Geschlechtes, das unter der Ritterschaft des Frankenlandes einen guten Namen, in zahlreichen Ämtern Macht und Einfluß und darüber hinaus weiträumig Güter und Einkünfte besaß  -  der „Herren von Abersfeld“. Von 1150 bis 1472  sind deren Abkömmlinge als ehemals Freie und dem Stand der Ritterschaft zugehörig, später als Ministeriale der Grafen von Henneberg und des Hochstiftes Würzburg bezeugt (auch als „Domherr“ von Bamberg und Würzburg, „Commandeur der Deutschordensritter zu Münnerstadt“, „Chorherr Neumünster zu Würzburg“, „canonicus capitularis des Ritterstifts St. Burkard in Würzburg“).



Am östlichen Ortsende von Abersfeld, auf einem leichten Hügel, lag der von einem wassergefüllten Burggraben umgebene Burgstall, der Herrensitz oder die sog. „Kemenate“ derer von Abersfeld, der wohl im 13./14. Jahrhundert errichtet worden ist. Bereits gegen Ende des 15. Jahrhunderts ist dieser Burgstall, nachdem er in Urkunden von 1422 und 1446 erwähnt wurde, wieder verschwunden  -  im Gleichklang mit dem familiären und wirtschaftlichen (= urkundlich belegte Verarmung)  Untergang der in Abersfeld gesessenen Herren von Abersfeld. Archäologische Bodenfunde (Gebäudereste, Ringmauern, Brandschutt) und Kartierungen des Landesamtes für Denkmalpflege sowie urkundliche und volkstümliche (Sagen) Überlieferungen erhellen heute noch ein interessantes Kapitel der mittelalterlichen Dorfgeschichte von Abersfeld.

 

Unterhalb der Kemenate stand über 200 Jahre lang das Brauhaus, dessen Braugerechtigkeit ursprünglich mit dem Freihof verbunden war und 1788 durch das Hochstift an die Gemeinde vererbt wurde. Seit dieser Zeit war das Hausbraurecht ein vielbegehrtes Privileg der Ortsnachbarn. Auch eine Schäferei, die bereits im 15. Jahrhundert nachgewiesen ist, gehörte zu den ältesten Einrichtungen des dörflichen Gemeinwesens. Zwei Mühlen, die „Dorfmühle (erwähnt bereits 1487: „im grund bey der mulen“)) und die Eselsmühle (erbaut 1578) im Marktsteinacher Grund gehörten ebenfalls zu den dörflichen Versorgungseinrichtungen.

 


Das „alte“ fränkisch-dörfliche Abersfeld mit seinen eng stehenden Dreiseit-Höfen ist nach dem 2. Weltkrieg um 5 größere Siedlungsgebiete gewachsen, was zu einer inzwischen  3-fachen Flächenausdehnung geführt hat. Die Einwohnerzahl hat um 250 zugenommen, ein Gewerbegebiet am östlichen Ortsrand, eine großzügige Verkehrsanbindung, nicht zuletzt durch die B 303, haben weiteres Entwicklungspotential für unseren Ort.

Rednershof

„Wer von Abersfeld etwa 2 km in östliche Richtung wandert, erblickt beim Abstieg in ein schmales Wiesental den Weiler REDNERSHOF. Ein Bächlein eilt in dem Tale weiter gegen Wülflingen und mündet dort in den Main. Auf den Anhöhen ziehen große Wälder hin. Diese Landschaft heißt der Wassernachtgrund.“ (Seb. Zeißner).

Die Geschichte dieser kleinen Ansiedlung mit ihren acht Hausnummern ist auf das engste mit der von Abersfeld verbunden. Nicht erst die Eingliederung in die politische Gemeinde Abersfeld im Jahre 1818 sondern auch die Zeit davor bringt viele Gemeinsamkeiten und Abhängigkeiten, jedoch auch zahlreiche Gegensätze zutage,  wenngleich nicht verkannt werden kann, dass in früheren Jahrhunderten ein eigenes Gemeinwesen (eigene Gemarkung, eigene Ortsverwaltung) vorhanden war. Der Ort, eine Spätrodung, wird 1303 erstmals in einer Urkunde als „Reitenhart“ erwähnt. Aus Reuttenhartshof entstand der Ortsname Rettners- oder Rednershof (mundartlich: „Ränersch“). Um 1450 wird ein weiterer als „Leutershof“ bezeichneter Hof erwähnt, der 1542 bereits als „wüst“ bezeichnet wurde.



Der Leutershof war ursprünglich dem Hochstift Bamberg lehenbar, der Zehnt in Reitenhart stand dagegen dem Hochstift Würzburg zu. Später waren beide Höfe lange Zeit im Besitz der Herren von Abersfeld, bis 1449 der Leutershof und 1453 der Reitenhart an die Grafen von Henneberg verkauft worden sind. In Rednershof saßen 1542, beim Übergang an das Hochstift Würzburg, zwei Bauern. 1579 entstand einiges unterhalb der Höfe die Rednershöfer Mühle, die 1861 durch einen Brand zerstört wurde. 1593 wurde die bisherigen zwei Höfe durch Erbteilung auf vier erweitert, 1627 kam ein fünfter Hofbauer hinzu, auch eine Schäferei wurde eingerichtet. 1631 als die Schweden ins Land kamen, wurde der Weiler von seinen Besitzern verlassen, 25 Jahre lag er danach öde. 1657 setzte der Mainberger Amtmann  wieder vier Gültbauern ein, die den Weiler besiedelten. Seit 1711 zählt der Weiler sieben Bauernhöfe.

Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Matthäus Wagenhäuser auf eigene Kosten eine Kapelle „Mariä Heimsuchung“, die, heute erweitert und im Besitz der politischen Gemeinde, die Rednershöfer Ortskirche ist und in der eine herrliche  Madonna mit Kind (um 1420) aus dem aufgelassenen Kloster Theres untergebracht ist.

(Robert Mantel)

 

Publikationen (Auswahl)


-    Festschrift zur Weihe der Kirche zu den Heiligen drei Königen

     in Abersfeld,

     hrsg. v. Pfarrer Paul Nützel, Marktsteinach 1971

-    Robert Mantel, 1200 Jahre Abersfeld. 788-1988. Aus dem Leben eines Schlettachdorfes

     Schonungen 1988

-    Robert Mantel, Familien in Abersfeld und Rednershof, Abersfeld 1988.

-    Peter Schwarz, Die Abersfelder Ordensfrauen in Tradition und Lebensumfeld,

     Schonungen 2006

-    Peter Schwarz, Abersfeld – seine Kriegsgefallenen und ihr Umfeld, Schonungen 2004

-    Sebastian Zeißner, Der Schlettach oberhalb Schweinfurt. Eine geschichtliche Darstellung,

     Würzburg 1928

 

        Vgl. auch „Publikationen“ von  Schonungen

 

Links (Auswahl)


http://www.schonungen.de/Gemeindeteil_Abersfeld.html

http://www.abersfelder-laientheater.de

http://djk-abersfeld.de

www.kita-abersfeld.de

http://www.abersfelder-musikanten.de

            www.pg-marktsteinach.de/bwo/dcms/sites/bistum/pfarreien/homepages/pg_pv/pg
           maria_koeniginvom_kolben/index.html

http://www.schonungen.de/Rathaus_Gemeindeteile_Rednershof.html